Wie die Heimplatzierung Kinder um ihre Zukunft brachte

Frühe Heimplatzierung hatte verheerende Folgen. Eine Langzeitstudie zeigt, dass betroffene Kinder im Schnitt zwölf Jahre kürzer lebten.

Wenn der Staat die Kindheit stiehlt
In der Schweiz der 1950er-Jahre war es gängige Praxis. Behörden in Städten und Gemeinden – darunter auch Stäfa – entzogen Neugeborenen lediger Mütter oder Gastarbeiterinnen routinemässig die Fürsorge der eigenen Familie und platzierten sie in Säuglingsheimen. Was als «fürsorgerische Massnahme» galt, war in Wahrheit ein tiefer Eingriff ins Leben der Kinder, mit lebenslangen Folgen.

In diesen Heimen verbrachten die Kleinen den Grossteil des Tages isoliert im Bettchen, ohne Körperkontakt, ohne Spiel, ohne Zuwendung. Körperlich wurden sie versorgt, emotional jedoch weitgehend sich selbst überlassen – weil Babys damals als einfache, reflexgesteuerte Wesen galten, die keine wirkliche Zuwendung bräuchten.

Eine Langzeitstudie, die über 400 betroffene Kinder über Jahrzehnte begleitete, zeichnet ein erschütterndes Bild: Viele der ehemaligen Heimkinder kämpften ihr Leben lang mit Sucht, psychischen Erkrankungen oder sozialer Isolation. Nicht wenige starben früh. Im Durchschnitt verkürzte die frühe Heimunterbringung die Lebenserwartung um zwölf Jahre.​​​​​​​​​​​​​​​​

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